Freitag, 5. September 2014

Marode Schönheiten

ist ein neues Projekt von Jutta und ich mach da gerne mit. Haben sich doch im Laufe der letzte Jahre so einige Bilder angesammelt - fotografiert, um das Gesehene festzuhalten, gesammelt, um es nicht zu vergessen.
So finde ich diese Aktion richtig gut. Danke Jutta, für die tolle Idee. Ich bin also dabei. Und hier und heute mein erstes Foto:

No. 1 
gefunden und fotografiert bei unserem ersten Griechenlandurlaub auf der Insel Santorin, ein bisschen Abseits vom Touristengeschehen:

Da es sich hier leider nicht um ein digitales Foto handelt, musste ich es erst einscannen, darunter hat die Qualität ein wenig gelitten.



Ich habe mal einen kleinen Gedichtband für Freunde und Bekannte geschrieben und dort war das Bild in folgenden Vers "eingebettet":

Keine Zeit?
Zwischen dreiundzwanzig und vierundzwanzig Uhr
wurdest du gezeugt
Es ergab sich so aus der Gelegenheit
für das Leben zu zweit
Man hatte ja sonst - keine Zeit, keine Zeit!

Und was musstest du danach alles erleben und hören
dabei wolltest du damals schon niemanden stören
Aufstehen, arbeiten geben, schnell noch was einkaufen
die Zeit rannte vorbei
Alles im Laufschritt, für dich live, du warst immer dabei
Ein Stoßen, ein Rütteln, ein Lärmen auf Erden,
neun Monate lang, um auch so zu werden
Dann war es so weit - keine Zeit, keine Zeit!
Gerade noch rechtzeitig vor dem großen Arbeitsanfall kamst du
anständig von dir, nicht am Wochenende, schnell und ohne Krawall
warst du zum Leben bereit - keine Zeit, keine Zeit!
 
Wofür?

Eine Familie gründen, heiraten - aber wann alles bloß?
Wie war das noch, wie macht man das nur?
Natürlich zwischen dreiundzwanzig und vierundzwanzig Uhr!
Hast dich aufgerafft und das auch noch geschafft
denn du weißt Bescheid - keine Zeit, keine Zeit!
Das Soll erfüllen, einen Beitrag leisten,
für die Rente was tun, so wie die meisten
Bald ist es so weit - keine Zeit, keine Zeit!
 
 

So, nun hast du's also geschafft
bist sechzig und abgeschlafft - ABGESCHAFFT
Die Jungen müssen her, sie leisten mehr
Du fragst nach deinen Kindern? Du weißt doch Bescheid
Keine Zeit, keine Zeit!

Jetzt sagst du, dein Leben geht dem Ende zu
 
Du nimmst das selbst in die Hand?
Es dauert dir zu lang - bist du bei Verstand?
Du entscheidest, jetzt ist es so weit?
J e t z t? Ausgerechnet zu dieser Zeit?
Was heißt, du bist so allein?
Wie kann das sein?
 
Ein wenig mehr von meiner Zeit soll ich dir geben? !
Aber du weißt doch Bescheid
DAS war DEIN Leben:
 
Keine Zeit, keine Zeit, keine Zeit!
 
 

Nehmt Euch Zeit füreinander.

Liebe Grüße
ZamJu

Kommentare:

  1. das ist ein wunderschönes Gedicht, das sehr zum Nachdenken anregt.
    Danke fürs "Vorlesen"
    ich wünsch Dir ein schönes Wochenende
    liebe Grüße
    Gerti

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  2. Hallo ZamJu,

    erst einmal muss ich sagen, dass mir Dein Gedicht ausgezeichnet gefällt. Das muss man sich wirklich in Ruhe durchlesen. Viel Nachdenkenswertes ist darin versteckt.
    Dein Bild von dem alten Traktor finde ich aber auch ganz toll.

    Liebe Grüße
    Jutta

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  3. So, nun schreibe ich bereits zum 3. Mal, ich hoffe, das mein Kommentar nun auch mal ankommt.
    Deswegen ist die Nachricht so spät an dich unterwegs.
    Ganz lieben Dank, dass du mitgemacht hast.
    Ich freue mich sehr darüber.
    Das Tolle Gedicht würde ich gerne meinem Mann präsentieren, wenn er am 1. November in Rente geht.
    Wirst du mir das erlauben ?
    So, nun noch eine gute Nacht und wehe, wenn es nun wieder nicht klappt !!!
    Herzlichst Jutta

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  4. Ein herzliches Dankeschön an Gerti und Jutta!
    Und Jutta: Natürlich darfst Du das Deinem Mann präsentieren. Rente ist gar nicht so schlecht, wenn man das wirklich aktiv angeht. Wir machen das und uns geht's gut.
    LG Angelika

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