Samstag, 17. Dezember 2016

Zitat im Bild ...

24-2016 





























... am Wochenende und wie immer für Nova und Ihre Sammlung.
 
Heute einmal die erste Strophe eines Gedichtes von
Carl Spitteler  (1845-1924)
Schweizer Dichter und Romanautor, Nobelpreis für Literatur 1919
 
der Jahreszeit entsprechend und hier in voller Länge:

Der Wanderer
               
Flaumflocken flüstern vom Himmel leis.
Ein Wandrer steigt über Firn und Eis.
Die Schneefrau folgt ihm mit tückischem Schritt:
»Halt stille, mein Lieber, und nimm mich mit!
Der Abend ist nah, und der Gipfel ist fern.
Ich spiel dir zur Kurzweil ein Liedchen gern.«
Sie setzt an die Lippe die grüne Schalmei,
die jauchzte von Blumen und Lenz und Mai.
Er lauschte, die Wangen von Tränen naß,
dann schlug er ein Kreuzchen und zog fürbaß*.
Und finstrer wölkt sich der dämmernde Schnee.
Sie schlich ihm zur Seite auf listiger Zeh':
»Halt! daß ich dir leuchte, du wandelst irr!
Ein freundliches Märchen erzähl' ich dir.«
Eine Ampel zog sie aus ihrem Gewand:
Da glänzt ihm vor Augen der Heimat Land,
der Hügel, der Garten, die Eltern sein
im seligen goldigen Jugendschein.
Er schwankte. Schon kürzt er der Schritte Maß,
dann schlug er ein Kreuzchen und zog fürbaß.
Und es stürmt und es stöbert mit Sturmesmacht,
vom heulenden Felsen gähnt weiße Nacht.
Sein Wille versagte, sein Knie versank.
Da saß sie auf einer steinernen Bank.
»Hier ist es behaglich; komm, setze dich!
Ich weiß zu kosen gar minniglich*.
Und lockt dich der Schlummer und lacht dir ein Traum:
An meinem warmen Busen ist Raum.«
Sie blickte so lieblich, sie nickte so hold,
als ob sich der Himmel ihm öffnen wollt.
Er wankt ihr entgegen in taumelndem Lauf
und fiel ihr zu Füßen – stand nie mehr auf.
 
 
Ich habe die alte Schreibweise genommen, da bei der Entstehung dieses schönen Gedichtes die neue Deutsche Rechtschreibung noch nicht eingeführt war 😉, aber ich liefere gerne die Übersetzung von zwei Worten, die selbst ich nicht mehr kannte:

fürbaß: von nun an, weiterhin
minniglich: liebevoll
Dieses Gedicht kenne ich schon sehr lange und heute habe ich nach langer Zeit mal wieder meine Bilder aus "Winterurlaubszeiten" angeschaut, beides zusammengefügt und somit "konserviert" für spätere Zeiten.

Schneeflockige Grüße
(eigentlich müsste es bei uns heute heißen: regentropfige Grüße, was sich eindeutig schlechter anhört)
und einen schönen vierten Advent
ZamJu
 
 

Kommentare:

  1. Gedichte dieser Art sind einfach wunderbar und dazu gehören doch die alten, nicht mehrim aktiven Sprachgebrauch befindlichen Wörter, deutsche Sprachgeschichte wird lebendig. Wobei ich bei "fürbaß" mit einer anderen Übersetzung rechnet, wie z.B. "schließlich, tatsächlich". Das macht ber nichts und tut dem Gedicht keinen Abbruch!!!
    Schöne Gedanken in herrlichen Bildern.

    Lieben Gruß und einen stimmungsvollen 4. Advent
    Beate

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    1. Ja, das finde ich auch, liebe Beate. Und was die Übersetzung angeht, die habe ich im Netz recherchiert. Ich dachte zuerst auch an eine andere Übersetzung. LG, Angelika

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  2. Hallo Angelika,
    es begann so verheißungsvoll und endete so traurig.....

    Ein schönes Gedicht und eine gute Wiedergabe, wie leicht der Tod durch Erfrieren ist --> ich sage eher sein soll. Menschen, die kurz vor dem Ende waren, erzählten wie sie ihrem Ende träumend entgegen gingen. Na ja, man muss ja nicht von Allem haben.

    Ein schönes Adventwochenende für Dich und liebe Grüße
    Elisabetta

    Meine Joy schickt Grüße an den süßen Rocky ^-^

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    1. Hallo liebe Elisabetta, zuerst einmal ein herzliches wuff-wuff an Joy. Ja, das Gedicht ist schon besonders. Aber erfrieren wollen wir nicht - gelle!
      Wünsche Dir auch eine schönen 4. Advent und sende liebe Grüße, Angelika

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  3. Gut das Du die beiden Worte "übersetzt" hast, ich hätte sonst nachschlagen müssen - ich kannte sie nicht! So wie ich auch das Gedicht und den Dichter nicht kenne, aber es gefällt mir gut.
    Schneeflocken kann ich auch nicht senden - es gab zwar Frost letzte Nacht, aber jetzt ist es schon wieder über 0°. Dann sende ich liebe Grüße und wünsche einen schönen 4. Advent
    Kirsi

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  4. Ob das der Ötzi war? ;-)
    Ein trauriges Gedicht hast du mitgebracht.
    Schönen Gruß, Gabi

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    1. Hmmm - vielleicht ;-) Liebe Grüße und einen schönen 4. Advent, Angelika

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  5. Ein "schaurig schönes" Gedicht,
    sei g´scheit und traue der Schneefrau nicht,
    lass´ dich nicht locken,
    von flüsternden Schneeflaumflocken.......

    Allerdings lasse ich mich von den Schwüngen der Skispur gerne locken!!!
    Einen schönen vierten Advent,
    Luis

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    1. Ich glaube, dass so eine "einsame" Spur im Schnee heute sehr selten noch möglich ist. Ein einziges Mal habe ich während meiner "aktiven" Schilaufzeit tatsächlich zusammen mit meinem Bruder ein absolut unbefahrenes Gebiet Tiefschnee fahren dürfen - da träume ich heute noch von! Das war damals in der Schweiz und wir hatten einen ortskundigen Skilehrer dabei - also nicht auf eigene Faust gestartet, sonst .... s. Gedicht. Solltest Du noch aktiv sein, dann wünsche ich Dir ein solches Gebiet! Liebe Grüße, Angelika

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  6. Hach, da würde ich mich doch jetzt gerne warm anziehen und in diesem herrlichen Schnee tapsen. Ganz toll liebe Angelika und die Worte bzw. das Gedicht passt perfekt dazu, auch wenn es wehmütig stimmen kann ;-)

    Danke dir vielmals dafür und dass du wieder mit dabei bist.

    Hier hat es eben auch einen ordentlichen Regenguss gegeben, gestern waren es kleine Nieselregen, neben Wolken und dann wieder Sonne. Wintermonat halt, gell.

    Wünsche dir noch einen schönen 4.Advent und sende liebe Grüsse

    N☼va

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  7. Hallo liebe Angelika,
    das Gedicht kannte ich noch nicht, aber es gefällt mir, auch wenn es ein trauriges Ende hat.

    Schneeflocken wären schon schön zur Weihnachtszeit, aber das wird wohl wieder nichts. Die kommen wie immer erst im Januar oder Februar.

    Ich wünsche Euch einen schönen 4. Advent...
    Liebe Grüße
    Biggi

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  8. Oh, wie traurig ist dieses Gedicht...ich kannte es noch gar nicht und freue mich, dass du es vorgestellt hast. Ein wenig Schnne, besonders zu Weihnachten, ist ja ganz schön, aber zu eisig mag ich es auch nicht. Ich bin meist schon im Sessellift erfroren, bevor ich überhaupt haben am Berg angekommen war :)) eine echte Frostbeule.

    Liebe Grüße und einen schönen 4. Advent
    Arti

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  9. Mir ist gleich ein bisserl kühler geworden bei der Lektüre, liebe Angelika! Schnee haben wir hier heute nicht, sondern Nebel und Rauhreif. Trotzdem werde ich nachher zum Nordic Walken gehen - aber soo kalt wie dem Wanderer wir's mir wohl nicht werden ...

    Herzliche rostrosige Adventsonntags-Grüße,
    Traude
    http://rostrose.blogspot.co.at/2016/12/anl-12-beschenk-dich-selbst-giveaway.html

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  10. Ein wunderbares Gedicht, das durch die blumige-gefühlsstarke Sprache zusätzlich stark betont wird. Den Meister der wohlgesetzten Worte kannte ich noch nicht. Das ist immer wieder interessant einen weiteren Lyriker etc. nahegebracht zu bekommen finde ich und freue mich darüber!

    Lebkuchensüße Grüße von Heidrun

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  11. Liebe Angelika,
    danke für deine besonderen Texte!!!!und für diesen tollen Post für unser ZIB!!!
    Ich hoffe ich kann nochmals in Ruhe wieder kommen und nochmals in deinem Blog blättern und lesen...

    Liebe adventliche Grüße
    von Monika*

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